Die Charité schafft einen bildungspolitischen Lichtblick für die Pflege! Ein Scope of Practice zur Definition und Abgrenzung von Leistungen von Pflegekräften ist seit Jahren in der gesundheitspolitischen Diskussion. Pünktlich zum diesjährigen Tag der Pflegenden hat die Charité Universitätsmedizin als erstes Klinikum in Deutschland einen „Scope of Practice“ für Pflegefachkräfte mit Bachelor-Abschluss veröffentlicht.
Bei dem Konzept handelt es sich um einen klar definierten Handlungsrahmen, der konkret beschreibt, welche Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortungen Bachelor Nurses im klinischen Alltag übernehmen. Der „Scope of Practice“ basiert auf acht zentralen Kompetenzbereichen, die den gesamten Pflegeprozess von Analyse über Planung bis zur Evaluation sowie insbesondere Forschung und Lehre umfassen. Hierbei handelt es sich um die Kompetenzbereiche
Kritisches Denken und Analyse
Therapeutische und professionelle Gestaltung von Beziehungen
Erhaltung und Weiterentwicklung der beruflichen Kompetenzen
Umfassende professionelle klinische Einschätzungen
Planung des Versorgungsprozesses
Durchführung und Delegation sicherer und angepasster Versorgung
Evaluation der nursing practice
Forschung und Lehre
Internationale Studien zeigen, wie Kompetenzregeln die Behandlungsqualität steigern
Länder wie Australien, Kanada oder die Niederlande, wo Bachelor Nurses bereits seit vielen Jahren eigenständig arbeiten, haben gute Erfahrungen mit dem „Scope of Practice“ gemacht und die Charité ist nun Vorreiterin in Deutschland. Sie hat sich das Konzept patentieren lassen und hofft, dass andere Kliniken nachziehen. Mit der Vorlage des Handlungsrahmens für Bachelor Nurses, der definiert nun für die klinische Arbeit präzise definiert, welche Aufgaben die Bachelor Nurses, also akademisch ausgebildete Pflegefachkräfte, übernehmen dürfen, wird die Profession Pflege konsequent gestärkt.
Prof. Joachim Spranger, Dekan der Charité, betont: „Ich begrüße die zunehmende Akademisierung der Pflege und die Tatsache, dass damit auch veränderte Aufgabenfelder verbunden sind. Die Bachelor Nurses sind zusätzlich zur beruflichen Kompetenz auch wissenschaftlich qualifiziert. Sie werden evidenzbasiertes und eigenverantwortliches Arbeiten in der Pflege noch stärker als ohnehin schon etablieren. Ich freue mich, dass sie künftig erweiterte klinische Aufgaben übernehmen können, dazu gehören auch delegierte ärztliche Tätigkeiten. Damit tragen die Bachelor Nurses künftig aktiv zur Qualitätssicherung, einer interprofessionellen Forschung und Lehre sowie der professionellen Weiterentwicklung der Pflege bei.“ Mit dem Konzept liegt die Charité ganz auf der Linie des Gesetzgebers, mit Änderungen im Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege (BEEP) ein solches Konzept noch von den Spitzenverbänden erarbeiten lassen zu wollen.
Wissenschaftliche Pflege direkt am Krankenbett
Die Bachelor Nurses übernehmen mehr Verantwortung wahrnehmen und wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in die Praxis umsetzen. Dabei hinterfragen sie regelmäßig, wie wirksam die Pflegekonzepte und Maßnahmen sind. So entsteht eine evidenzbasierte Versorgung, die sich stetig verbessert und gezielt an den Bedürfnissen der Patient:innen ausgerichtet ist.
„Der ‚Scope of Practice‘ ist ein Meilenstein für die Pflege“, betont Carla Eysel, Vorstand Personal und Pflege der Charité. „Mit diesem klaren Kompetenzrahmen stärken wir nicht nur die Rolle unserer akademisch ausgebildeten Pflegekräfte, sondern vor allem die Qualität der Patientenversorgung. Die Bachelor Nurses bringen fundiertes Wissen und innovative Ansätze in die Praxis ein – das kommt direkt den Menschen zugute, die auf unsere Arbeit angewiesen sind. Als Charité übernehmen wir hier bewusst eine Vorreiterrolle, denn gute Pflege braucht klare Rollen und Kompetenzen.“
Innovativ auch in anderen Bildungsbereichen zur Entwicklung der Pflegequalität
Auch in der berufsbegleitenden Spezialisierung von Pflegekräften für die pädiatrische Versorgung, wo generalistisch ausgebildete Pflegepersonen oftmals nicht mehr über die erforderlichen Kompetenzen für die anspruchsvollen Aufgabenverfügen verfügen und der gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) zunehmend spezifische Kompetenzen und nachzuweisende Qualifikationen fordern ist die Charité Vorreiter: gemeinsam mit der BaWiG Bildungsakademie wurde im Januar 2026 ein praxisbegleitender Spezialisierungslehrgang für die pädiatrische Pflege an den Start gebracht.
Die Bildungsinnovation zeigt: mehr Qualität durch Kompetenz und klinische Standards
Die professionellen klinischen Standards und Bildungsperspektiven zur fachlichen Spezialisierung an der Charité definieren zentrale Kompetenzbereiche, die eine evidenzbasierte, sichere und patientenzentrierte Pflege sicherstellen. Sie umfassen fundierte Kenntnisse und praktische Fähigkeiten, um den gesamten Pflegeprozess von Analyse über Planung bis zur Evaluation sowie insbesondere Forschung und Lehre auch im Sinne des Berufsbildes von klinischer Pflege weiterzuentwickeln.
Die IGBP begrüßt die Initiative.

