Im Bereich der Kinderkrankenpflege steigen der Bedarf an Spezialisierung und die qualitativen Anforderungen an Fachkräfte, die dafür verstärkt besondere Qualifikationen benötigen. Mit der generalistischen Pflegeausbildung ist ein Rückgang an der notwendigen Spezialisierung zu verzeichnen, der für Kinderkliniken das Problem des Fachkräftemangels noch verstärkt.
Gleichzeitig formuliert der Gemeinsame Bundesausschusses G-BA Qualifikationsvoraussetzungen für die Tätigkeit in Einrichtungen der pädiatrischen Krankenpflege etwa mit der Richtlinie zur Kinderonkologie KiOn-RL und Qualitätssicherungs-Richtlinie Früh- und Reifgeborene QFR-RL.
Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) sowie die Bundesrahmenempfehlung für die außerklinische Intensivpflege betonen den Bedarf an qualifiziertem, spezialisiertem Pflegepersonal, um die pflegerische Qualität zu sichern und die Handlungskompetenz der Fachkräfte zu stärken.
Für diese erkannte Lücke entstehen gerade strukturierte Weiterqualifizierungen, die das Ziel verfolgen, Pflegefachkräfte mit generalistischer Ausbildung, die keine pädiatrische Ausbildung oder Vorerfahrung haben und in der Versorgung von Kindern und Jugendlichen tätig sind oder tätig werden möchten, sowie Pflegefachpersonen, die ihre Kompetenzen im Bereich der Kinderkrankenpflege erweitern wollen, gezielt auf die besonderen Anforderungen der Versorgung von Kindern und Jugendlichen vorzubereiten.
Gemäß den förderalen Strukturen im Gesundheitswesen bestehen aktuell drei Herangehensweisen, deren Zielstellungen zur nachhaltigen Professionalisierung und Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen Versorgung in der pädiatrischen Pflege formal unterschiedliche Ansätze haben: Dies sind
1. ein neues Fachweiterbildungskonzept der Vereinigung der Pflegenden in Bayern (VdPB),
2. ein ebenfalls 2025 veröffentlichtes Curriculum der Landespflegekammer Nordrhein-Westfalen,
3. haben die bundesweit tätige BaWiG Bildungsakademie mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin als "Spezialisierungslehrgang Pädiatrische Pflege" einen inhaltlich dazwischen liegenden Entwurf vorgelegt, der mit einer ersten Weiterbildungskohorte im Januar 2026 gestartet ist.
1. Weiterbildung „Pädiatrische Pflege“ (VdPB)
Den formal umfangreichsten Vorschlag legt die VdPB als Fachweiterbildung mit einer Dauer von 18 – 24 Monaten bei einem Stundenumfang von 1.520 Stunden (720 Stunden Theorie und 800 Stunden Praxis) vor. Der Stoff ist modular in fünf Modulen aufgebaut, die „zentrale Themen“ abdecken sollen:
- Pflegeverständnis und Gesundheitsförderung
- Versorgung von Neugeborenen und Säuglingen
- Pflege bei komplexen Erkrankungen
- Betreuung in lebensbedrohlichen Situationen
- palliative Versorgung.
Inhaltlich wird besonderer Wert auf familienzentrierte Pflege, interprofessionelle Zusammenarbeit und evidenzbasierte Praxis gelegt. Dazu sollen Transferaufgaben und Fallanalysen integriert werden.
Zugangsvoraussetzungen sind die Erlaubnis zum Führen einer Berufsbezeichnung nach § 1 Pflegeberufegesetz (PflBG) und mindestens 700 Stunden Berufserfahrung in der pädiatrischen, kinderchirurgischen und/oder kinder- und jugendpsychiatrischen Pflege.
2. „Spezialisierungsweiterbildung Pflege von Kindern und Jugendlichen“ (LPK NRW)
Die Landespflegekammer Nordrhein-Westfalen will ebenfalls einen verbindlichen Standard für die Weiterqualifizierung von Pflegefachpersonen in der pädiatrischen Pflege erreichen. Ihre Empfehlung für die berufsbegleitende Weiterbildung dauert 12 Monate mit 320 Stunden Theorie und 1.260 Stunden Praxis im Arbeitsfeld der Kinder- und Jugendpflege.
Zugangsvoraussetzung ist hier ein Arbeitsvertrag in diesem Bereich. Die Lehrgangsziele liegen im pflegepraktischen Bereich für die Gewährleistung von Handlungssicherheit und Fachkompetenz in der Versorgung von Kindern und Jugendlichen sowie die Betreuung von deren Bezugspersonen. Auch hier gliedert sich das Curriculum in fünf Module, die die zentralen Handlungsfelder der Pflege abdecken:
- Entwicklung und Gesundheit fördern mit Fokus auf Beziehungsgestaltung, Prävention und familienorientierte Pflege;
- Früh- und Neugeborene versorgen inklusive Erstversorgung, Screening, Stillmanagement und Umgang mit Notfällen;
- Akut- und Notfallsituationen bewältigen ergänzt um die Unterstützung in psychischen Krisen;
- Chronische Erkrankungen und Behinderungen pflegen mit rehabilitativer Ausrichtung und Förderung von Autonomie;
- Kritische Gesundheitszustände und letzte Lebensphase begleiten unter Anwendung von Palliative-Care-Konzepten und ethischer Entscheidungsfindung.
Die Weiterbildung zielt auf evidenzbasierte und partizipative Ansätze, familienintegrierende Pflege und Empowerment. Dazu sollen praxisorientierte Lernangebote wie Simulationen und Fallarbeit sowie die enge Verzahnung von Theorie und Praxis als Transfer in den Berufsalltag integriert werden. Für die Abschlussprüfung werden eine schriftliche Hausarbeit und ein Kolloquium geordert.
3. "Spezialisierungslehrgang Pädiatrische Pflege" (BaWiG Kids)
An der Charité – Universitätsmedizin Berlin startet im Januar 2026 der Weiterbildungslehrgang „Spezialisierung Pädiatrische Pflege“ der BaWiG Bildungsakademie in der Sparte BaWiG Kids. Dieser Lehrgang geht einen kompetenzorientierten Zwischenweg, indem er aufbauend auf dem Konzept der Landespflegekammer Nordrhein-Westfalen zusätzlich Grundwissen für vertiefende Kenntnisse und Handlungskompetenz in der Pädiatrie integriert: z.B. in den Wissensbereichen
- Neonatologie und kindliche Entwicklung,
- Physiologie und Krankheitslehre bei Kindern,
- Akute und chronische Erkrankungen verschiedener Organsysteme, Pädagogik, Psychologie & Kommunikation
- Kinderschutz, Umgang mit lebensbedrohlichen Situationen und Palliative Care,
- Hautpflege & Prophylaxe, Prävention & Gesundheitsförderung,
- Ernährung, Elternarbeit & Familienorientierung,
- Besonderheiten der Pflege und medizinischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen
Das Konzept orientiert sich dabei auch an anerkannten Ausbildungsinhalten der pädiatrischen Pflege mit den Vorgaben der Pflegeberufe-Ausbildungs- und Prüfungsverordnung (PflBG und PflAPrV) sowie an den curricularen Empfehlungen des BeKD zur Anschlussqualifizierung und erfüllen nach gegenwärtigem Stand die in Diskussion stehenden Qualifikationsvorgaben des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) für Pflegefachkräfte in Einrichtungen der pädiatrischen Krankenpflege (KiOn-RL, QFR-RL).
Der Spezialisierungslehrgang umfasst 12 Module à 3 Tage Simultan-Unterricht online mit einem Workload von insgesamt 320 Stunden in direktem Dozentenkontakt und schließt mit einer Kompetenzprüfung am Ende ab. Die Abfolge der 12 Module erfolgt monatlich, um dazwischen den in der Klinik während der regulären Berufstätigkeit den geforderten Theorie-Praxis-Transfer zu gewährleisten. Da der Lehrgang von BaWiG-Charité Berlin im Theorieteil online stattfindet, können auch Pflegekräfte aus anderen Bundesländern sich weiterbilden und ihre Praxisphasen in jedem pädiatrischen Krankenhaus in ganz Deutschland absolvieren. Dies ist in der normalen Arbeitszeit ohne zusätzliche Praktikumszeiten möglich.
Ergänzend soll im Rahmen von Blended Learning mit Zusatzmaterial, Reflexionsaufgaben, Dokumentationen, Fallstudienarbeiten der Theorie-Praxis-Transfer in den Klinikalltag des Teilnehmers gesichert werden. Die strukturelle Vernetzung von theoretischen Inhalten der Lernmodule und praktischer Tätigkeit im Krankenhaus soll nicht nur mit dem Kooperationspartner Charité, sondern für Teilnehmende aus jeglichen anderen pädiatrischen Krankenhäusern möglich sein.
Fazit
Nach Einschätzung der IGBP ist sowohl die qualifizierte Gesamtentwicklung als auch der kreative Wettbewerb verschiedener Bildungsansätze sehr zu begrüßen. Sämtliche Ansätze sind gewiss zielführend. Valide Evaluationsergebnisse dürften in etwa 12 – 18 Monaten vorliegen, sodass dann auch für die Bundesländer, welche sich dazu noch nicht durch konzeptionelle Aussagen hervorgetan haben, eine qualitätsbildende Entwicklung für eine kompetenzorientierte Qualifizierung im Bereich der pädiatrischen Pflege sichtbar wird. Es gibt also ermutigende Entwicklungen für Bildung in der Pflege und man kann gespannt sein.

